«Die Rockstars unter den Satirikerinnen»

Mit bitterbösen Texten und virtuosen Stimmen machen Knuth und Tucek Satire mit Musik und Gesang. Dabei hat alles ganz unverdächtig angefangen.

Die Schauspielerin Nicole Knuth und die klassisch ausgebildete Sängerin Olga Tucek waren prädestiniert, zum Sturm auf die grossen Theater- und Opernbühnen anzusetzen doch der Zufall führte sie zu Proben zu einem Theaterstück zusammen, das nie zur Aufführung kam. Dafür wurden die beiden eingeladen, an einem Geburtstag auf dem Sustenpass nette Lieder zu singen. Doch mit der Nettigkeit war es bald vorbei...

Seit 2004 tingeln die beiden Damen, bewehrt mit scharfen Worten, heftigen Stimmen, zwei Notenständern (man gibt viel auf seine klassische Ausbildung!) und einem Akkordeon durch die Kleinkunsttheater im deutschen Sprachraum. Sie erfanden ihr eigenes Genre, das «Heimatfilmtheater», und haben seither in sechs abendfüllenden Programmen die Teufel des 21. Jahrhunderts an die Wand gemalt: Waffenlobbyisten und Weltfriedensaktivisten, Konvertiten und pädophile Priester, Männer mit Bärten und Frauen in Offroadern – niemand ist vor ihrem wortgewaltigem Sarkasmus und rockigem Akkordeon sicher.

Knuth und Tucek haben ihre Lippen gerötet und ihre Nägel gefeilt. Ihre lusterfüllten Lieder schmeicheln sich in unsere Gehörgänge, bis der Kopf begreift, wie abgründig und bitterbös ihre Texte sind. Die zwei Künstlerinnen schiessen ihre giftigen Pfeile zielsicher ab. Geistreich und wortgewandt teilen sie aus: Politik, Wirtschaft oder Spiritualität kriegen ihr Fett ab - und das nicht zu knapp! Sie besingen und zerpflücken mit Engelsstimmen und Teufelszungen die aktuelle Erscheinung der modernen Welt.

«Die Rockstars unter den Satirikerinnen...»
und die Preisträgerinnen des Salzburger Stiers 2011 und des Schweizer Kleinkunst-Preis Cornichon 2013

HEIMATFILMTHEATER
Kabarett ist oft unmusikalisch, Filme sind aufwendig, Theater ist einfach Theater und Musik allein macht die Zunge nicht spitz: Deshalb haben sich die Damen Knuth und Tucek das Genre «Heimatfilmtheater» geschneidert, und tingeln, bewehrt mit scharfen Worten, heftigen Stimmen, zwei Notenständern (man gibt viel auf seine klassische Ausbildung!) und einem Akkordeon durch die schöne Welt und verbreiten Stories, die das Leben hieb und hitsuspekte Hardcoresongs. Für jeden Liebhaber der gepflegten, satirischen Abendunterhaltung!

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Biografien

Nicole Knuth

Als Enkelin von Gustav Knuth, Tochter von Klaus Knuth und Hannelore Fischer, sowie Grossnichte von O.W. Fischer, trägt sie die Bürde dynastischer Prädisposition mit Wiener Charme und der Gelassenheit der Goldküste. Hat sich im Spannungsfeld zwischen den Familienberufszweigen Bühnenkunst und Vereinte Nationen für das, wie sie sagt, «Kasperltum» entschieden. Hatte ihr erstes einschneidendes Kunsterlebnis in der Konfrontation mit dem Film «An heiligen Wassern», einem Walliser Heimatfilm mit einem Hamburger Matrosen und anderen Fremden. Heimat bedeutet für sie, wo der Kaffee stimmt und man aufs Wasser sieht. Es darf auch die Donau sein. Muss aber nicht.

Olga Tucek

Geboren und aufgewachsen in Zürich Leimbach, umzingelt von tschechischer Verwandtschaft und dem Lifestyle der Donaumonarchie. Tritt das Erbe der Mutter an und wird Sängerin, verschreibt sich aber, anstelle böhmischer und russischer Opernpartien der Volksmusiken Österreich-Ungarns und dem Theater. Der Film «Drei Nüsse für Aschenbrödel» prägt ihr Schaffen vornehmlich,
ebenso wie die Romane Ludwig Ganghofers und das ptolemäische Weltbild. Heimat ist für sie, wo ein Gulasch kocht und wo noch mit Holz geheizt wird.